Farbe bekennen

Farbe bekennen

Ein Bild kann entweder nur in Schwarz-Weiß sein, oder in Farbe. Das ist eine einfache Feststellung, doch steckt einiges dahinter. Für meinen letzten Schwarz-Weiß-Bilder habe ich lange und viele male überlegt, welche Version die beste ist. Tatsächlich gibt es keine „beste“ oder gar „richtige“ Version, doch es gibt einige Kriterien, anhand deren ich entscheide ob das Bild „nur“ viele Grautöne oder in bunt die Welt erblickt.

Der Bearbeitungsprozess gestaltet sich zu beginn erstaunlich einfach. Lightroom ermöglicht es einem mit einen einzigen Knopfdruck die Farbe in Grautöne umzuwandeln. Dies gibt einen ersten Eindruck und erlaubt mir zu beurteilen welche Variante ich weiterentwickeln werde. Das Zusammenspiel aus Farbe und Kontrast ist hierbei ausschlaggebend und lässt sich grob in folgende Fälle aufteilen:

Kontrast

1. Linienführung:

Ein Bild besteht irgendwo und irgendwie immer aus Linien. Diese bringen etwas Struktur in die ganze Farbe. Eine Schwarz-Weiß (SW) Variante kann diese Strukturen besser zur Geltung bringen. (Hier nahm ich schlussendlich die SW-Variante. Zum einen um ein konsistentes Erscheinungsbild in der Serie zu haben, zum anderen war mein Ziel den Kontrast zwischen dem gelb der Beleuchtung und dem blauen Verlauf des Himmels deutlich zu machen. Beides lässt sich in der SW-Variante noch erkennen).

2. zu starke Kontraste:

Manchmal fehlen die helfenden Linien jedoch und in der SW-Version wird man als Betrachter von zu viel Kontrast erschlagen. Hier bringt Farbe Ordnung in das Chaos. (Ich entschloss mich für die bunte Version, da die wärmenden Sonnenstrahlen sichtbarer sind und dem Betrachter einen Anhaltspunkt liefern).

Farbe

3. Zu viel Farbe:

Manche Situationen sind sehr farbenfroh, doch als Betrachter des späteren Bildes kann man sich auch durch die schiere Farbvielfalt überfordert fühlen. Das Bild reduziert um Farbe reduziert es ebenfalls auf die Aussage. Vorsicht, je nach Bild interpretiert Lightroom die Farben mit unterschiedlichen Grautönen. Es hilft also oftmals nach der Konvertierung die Bereiche „Weißabgleich“ und „Schwarzmischung“ zu bearbeiten. (Hier stärkt die SW-Variante das Konfetti und hebt es ab).

4. Farbe ohne Wirkung:

Klar gibt es viele Bilder, in denen Farbe erst die Stimmung zum Ausdruck bringt. Andererseits gibt es genau so viele Bilder, bei denen ein Wegfall der Farbinformationen keinen Verlust darstellt. Es ändert nichts und da neige ich dazu die SW-Variante zu nehmen. (In diesem Fall mochte ich beide Versionen sehr und arbeitete an der farbigen Variante sehr lange. Am Ende nahm ich doch die SW-Variante).

5. Geschmack und Muster:

Manchmal ist es einfach nur künstlerische Freiheit und manchmal kommt es auf die Umstände an. (In diesem Fall entschied ich mich für die Serie und nahm die SW-Version, dennoch mag ich das Leuchten der farbigen Variante noch immer mehr).

6. Unmöglich

Ergänzungshalber möchte ich erwähnen, dass es auch Bilder gibt, die in Schwarz-Weiß einfach nicht funktionieren. Das Bild unten ist so ein Fall:

Schlussendlich steckt in dieser Entscheidung doch mehr, als es den Anschein hat. Dies könnte auch darin liegen, dass für mich ein Schwarz-Weiß-Bild kein Rettungsversuch ist. Entweder ist ein Bild etwas geworden, oder es ist Müll und einen Versuch aus etwas schlechtem noch „Kunst“ zu machen halte ich für falsch. Gutes besteht aus viel Arbeit und Bilder benötigen viel Vorarbeit und ebenso viel Nacharbeit - mindestens!
Im Übrigen ist das Thema so interessant, dass Leica sogar eine eigene Kamera heraus gebracht hat, die nur in Grautönen aufzeichnet. Eigentlich eine triviale Sache, hat man bei der Konstruktion einfach den Farbfilter des Sensors (Bayer-Sensor) weg gelassen. Ein Pixel-Sensor kann nur die Helligkeit bestimmen und mit dem Bayer-Muster wird jedem Pixel die Helligkeit zu einem Farbwert zugewiesen. Das fehlt der Leica M Monochrome und soll so zu besseren Schwarz-Weiß-Bildern verhelfen - zu Leica üblichen Preisen. Meine Erfahrung über die M Monochrome schrieb ich schon einmal nieder. Angesichts des Preises hat man jedoch bei solchen Gedankengängen sowieso ganz andere Probleme.

A Student from Karlsruhe, living in Osnabrück right now. 25 Years old and eager to take pictures and learn with each.