Na, noch einen verstaubten und alten Rechner herumliegen? Ob Laptop, Netbook oder PC, dank einer amerikanischen Firma kann man den alten Kisten noch einmal Leben einhauchen. Dazu wird das (veraltete) Betriebssystem durch ein auf dem Browser Chrome basierenden Betriebssystem ersetzt. Besagte Firma hat das Konzept alte Rechner in Schulen wieder in Betrieb zu nehmen und bietet dadurch gleichzeitig Privatanwendern die gleiche Möglichkeit an. Das Betriebssystem ist ein Fork von ChromeOS, also dem Betriebssystem von Google für seine Chromebooks. Somit befindet man sich unmittelbar in Googles Umwelt, doch soll "CloudReady" auf vielen älteren Geräten funktionieren - wenn auch manchmal nicht zu 100 Prozent.

Die Voraussetzungen:

Ganz wichtig ist eine gewisse Experimentierfreudigkeit; aber auch, dass das Gerät dann wieder Verwendung findet, andernfalls ist es doch erfreulicher Kaffee und Kuchen zu genießen. Wenn doch: Neben dem Gerät selbst, ein paar Stunden Zeit und einer vernünftigen Internetleitung ist nur noch ein 8 GB großer USB-Stick vonnöten. Zusätzlich kann eine externe zum Sichern von Daten aber nie schaden.

Installation:

Zu nächst muss das Image (5GB) heruntergeladen und auf den USB-Stick bootfähig entpackt werden. Das sollte an einem anderen Rechner gemacht werden, Image befindet sich hier und Installationsanleitung dort. Nun lädt man sich eine Chrome-Erweiterung zum Installieren von ChromeOS herunter und geht die Anleitung durch. Bei mir konnte am Anfang das Image nicht gefunden werden, oder er verweigerte die Installation auf den USB-Stick ... Geduld und herumprobieren halfen mir da weiter.
CloudReady erwähnt auch die Möglichkeit das Betriebssystem im Dualboot zum Originalsystem zu installieren. Das geht aber wohl nur bei erlesenen Geräten und Konstellationen, ich würde also davon eher abraten. Ob das Experiment gelingen kann, bietet es sich an erst einmal die Live-Boot Funktion zu nutzen und die Hardware zu testen (Kamera, SD-Karte, LAN-Anschluss, Helligkeit, Lautsprecher, WLAN, Standby, ... ).

Nach der Installation:

Nun gilt es ein Google-Konto mit Cloudready zu verknüpfen. Doch Vorsicht, das erste Konto wird immer mit dem Betriebssystem verknüpft bleiben! Es lohnt sich also zu überlegen ob man ein eigenes Konto für den Laptop erstellt, oder nicht. Weitere Konten lassen sich später sehr einfach hinzufügen (anmelden) und wieder entfernen (vom Gerät löschen).
Möchte man nun wieder Daten wie Fotos, Dokumente zurück haben, so kann man diese entweder in Google Drive ablegen, oder muss seine Ordnerhierarchie im Download-Pfad anlegen. Dieser ist das einzige Lokale Verzeichnis, auf dass der Nutzer Zugriff hat.
Das wäre es eigentlich auch schon. Das besondere an ChromeOS, beziehungsweise CloudReady, ist nämlich, dass Updates automatisch kommen und außer WLAN sich sonst nicht viel einrichten lässt.

Aufbau:

Dieser ist ziemlich einfach erklärt: Es gibt Chrome. Klar, es gibt auch noch einen "Dateimanager", doch dieser basiert auch auf Chrome und ist eher rudimentär. Dann hat man noch so was wie ein Dock mit Benachrichtigungszentrum und Launcher/Suche. This is it.
Es sollte also klar sein, dass man alles ausschließlich im Browser und Internet macht. Aber, diese Logik hat auch einen Vorteil, jedes ältere Gerät, auf dem CloudReady läuft ist auf einmal wieder schnell und vor allem nützlich(er).

Chrome Erweiterungen, Flags und Sonstiges:

Google hat auf der GoogleIO 2016 bekannt gegeben, dass bald Android Apps auf ChromeOS laufen werden können, inwieweit dass dann auch tatsächlich möglich wird steht in den Sternen, aber auch mit den Chrome Extensions kann man schon viel ändern. Hier mal eine Liste, in meinen Augen erwähnenswerter, Erweiterungen und ähnlichem:

  • uBlock: Das A und O eines schnelleren und sicheren Systems: Adblocker. Es ist ein wirklich leidiges Thema, doch tut mir und den Seitenbetreibern den Gefallen und deaktiviert euren Adblocker auf euren Lieblingsseiten.
  • Bookmark Checker: Nützlich um veraltete oder doppelte Lesezeichen zu finden.
  • FilePreviews.io: Ermöglicht es alle Arten von Datei-Typen ansehen zu können. Ausführlicher Bericht gibt es von Charles.
  • Full Page Screen Capture: Damit lassen sich ganze Webseiten von oben bis unten Screenshoten.
  • Imagus: Früher genutzt, inzwischen eigentlich nicht mehr, ermöglicht die Erweiterung Bilder größer ansehen zu können. 
  • System: Ebenfalls von Charles empfohlen, ermöglicht diese Erweiterung ein paar Systemdaten auszulesen.

Alles weitere, dass ich an "Erweiterungen" habe, sind meist nichts anderes als Links zu den Webseiten. Diese kann man sich entweder über das Menü in die Ablage unten holen, oder per "Erweiterung". Dazu muss man etwas tricksen, aber das hat den Vorteil, dass das Icon selbst festgelegt werden kann. Und das geht so:

  1. über chrome://extensions/ den Entwicklermodus aktivieren
  2. Erstellt man einen Ordner mit dem Namen der Erweiterung
  3. Nun lädt man sich einen Editor herunter - Caret.
  4. Kopiert man folgenden Text:
    {
    "name": "Kalender",
    "description": "App description (132 characters or less, no HTML)",
    "version": "1.0.0",
    "manifest_version": 2,
    "icons": {
    "128": "icon_128.png"
    },
    "app": {
    "urls": [
    "https://www.icloud.com/#calendar"
    ],
    "launch": {
    "web_url": "https://www.icloud.com/#calendar"
    }
    }
    }
  5. Nun ersetzt man "Kalender" mit dem gewünschten Namen, der in der Ablage auftaucht
  6. die URL ersetzt man jeweils mit der gewünschten Ziel-URL (also zweimal)
  7. Nun sucht man sich ein Icon per Google suche. Dieses muss im PNG-Format vorliegen und 128x128 Pixel groß sein. Das Verschiebt man in das Verzeichnis der Erweiterung und nennt es in "icon_128.png" um
  8. In den Erweiterungen von Chrome klickt man auf "Entpackte Erweiterung laden..." und wählt das Verzeichnis aus
  9. Zuletzt muss man noch den Launcher über das Suchen-Symbol unten links starten und das Symbol in die Ablage / Leiste ziehen. Fertig!

Hinweise:

Datenschutz und weiteres muss man in Chrome (Historie etc) und im Google Profil (Alle erdenklichen Verläufe) einstellen. Für die Experimentierfreudigen: Unter Chrome://flags gibt es noch viele experimentelle Systemverbesserungen und -änderungen, die man sich anschauen kann. Das Wallpaper ist (wie immer) von Unsplash und auf diesen Kniff aufmerksam wurde ich durch TheVerge.

Fazit:

Ich konnte so ein MacBook von Anfang 2008 (MacBook 4.1) wieder "flott machen". Auf diesem hätte es kein aktuelles OS X gegeben und damit ein langsames Safari mit ständigen Warnungen und streikenden Plugins. Das war kein schönes Internet-Erlebnis. So funktioniert zwar die Kamera nicht ganz, Standby ist auch so eine Sache ... aber mal schnell was googlen oder im Internet suchen ist kein Problem. Dank der Erweiterungsbastelei sind auch die Notizen, Kontakte, E-Mails, Kalender und Bilder mit dem iPhone aktuell und stets synchronisiert.

A Student from Karlsruhe, living in Osnabrück right now. 25 Years old and eager to take pictures and learn with each.