Es kommt nicht häufig vor, dass man in die Situation kommt eine Problematik von beiden Seiten betrachten zu können. Mir war das kürzlich durch ein anstehendes Familienshooting vergönnt. Plan war es jemanden zu finden, der am nächsten Tag die ganze Familie fotografiert und da das Wetter nicht viel zu versprechen schien, im Studio. So kam ich das erste Mal in die Lage auf der einen Seite die künstlerischen Argumente von Berufsfotografen verstehen zu können und auf der anderen Seite, die Beweggründe der Kunden nachvollziehen zu können.

Als ein unerfahrener Kunde gehen einem die folgenden Überlegungen durch den Kopf:

  • Ich muss überhaupt erst einmal jemanden finden
  • Der Fotograf muss quasi "sofort" (Spontan) verfügbar sein
  • Ich weiß nicht, in welchem preislichen Rahmen ich mich befinde
  • Ich muss hinkommen können  - also der Aufwand muss sich im Rahmen halten
  • Bildsprache und Stil müssen mir gefallen
  • Ich muss mit dem Fotografen in Kontakt treten und "sofort" eine Antwort erhalten
  • Ich weiß nicht wie ich das Ergebnis bekommen werde
  • Ich will keine Enttäuschung erleben müssen - zumal es sich um Erstkontakt handelt

Nun zu der künstlerischen Seite:

  • Man kann guten Gewissens davon ausgehen, dass ein Fotograf seinen Berufswunsch erfüllen möchte (quasi das Hobby zum Beruf machen) und damit das Risiko der Selbstständigkeit in einer doch schwierigen Branche eingeht
  • Als Fotograf steckt man viel Zeit und Geld in die Ausbildung und das Equipment
  • Jeder Fotograf ist auch Künstler, was zu einem eigenen Stil führt, aber auch das Bild, also das Ergebnis, preislich von dem reinen Material abhebt
  • Und schließlich möchte man für seine Kunst auch wertgeschätzt werden

In meiner Situation zeigte sich bei der schnellen Google-Suche folgende Bild:

  • Es gibt eine große Anzahl an Ergebnissen bei den Suchbegriffen: Fotograf / Fotostudio in Karlsruhe
  • eine gute Anzahl an Ergebnissen lässt sich alleine durch den Domain-Namen oder der Beschreibung (in den Google Ergebnissen) ausschließen - und ich war hier wirklich nicht strikt
  • Viele Seiten haben ein nicht gerade einladendes Design oder veraltete Technik verwendet
  • Der logische Aufbau mancher Seiten ist eher unlogisch
  • Es ist schwierig den Typ von Bildern zu finden, den man als Ergebnis haben möchte und damit eine Vorstellung zu bekommen
  • Eine Webseite, die einem bei der Terminauswahl, den Demobildern oder sonst was, auf eine andere Seite weiterleitet (Beispielsweise auf eine Galerien Seite, da diese für den Fotografen leichter zu managen ist), wirkt nicht gerade vertrauensbildend
  • Es ist schwierig eine Adresse für den ersten Kontakt zu finden und/oder zu erahnen, welches das bessere Mittel zur Kontaktaufnahme ist

Mit diesen Beobachtungen komme ich zu folgenden Entschlüssen:

  • Als Fotograf ist es nicht leicht auf sich aufmerksam zu machen, doch
    • eine vernünftige Domain,
    • ein Vernünftige "Vorschau" in den Suchergebnissen bei Google und Bing bringen einen sehr weit
    • Ein vernünftiges Design der Webseite gehört definitiv zum A und O. Es ist quasi das Fenster zu den Bildern des Fotografen
  • Es sollte ersichtlich werden, auf wen und was sich der Kunde einlässt
  • Kontakt! Es geht nicht darum möglichst viele Wege zum Kontakt-Aufbau anzubieten, doch eher wenige, einfach und "gute" deutlich aufzuzeigen
  • die eigenen Werke zum Vorzeigen sollten logisch sortiert sein - hier geht es auch mal darum die Logik des Kunden anzunehmen (Sind Familienbilder unter Familie oder Portraits ... ?)
  • Der preisliche Rahmen - und ja damit tun sich sehr viele sehr schwer - sollte zumindest ersichtlich sein. Es geht nicht darum einen exakten Preis zu haben, aber eine Hausnummer
  • Vor allem sollte dem Kunden klar gemacht werden, wofür und wieso sie "so viel" bezahlen

Bilder via Unsplash - die wohl beste Bildquelle online
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A Student from Karlsruhe, living in Osnabrück right now. 25 Years old and eager to take pictures and learn with each.