Ich war dieses Jahr endlich mal wieder auf der re:publica und fand die drei Tage anstrengend, aber sehr gut. Eine Präsentation war für mich persönlich die mit Abstand interessanteste und hat mich zu zwei Themen ins Grübeln gebracht: Künstliche Intelligenz und Sharing Economy, aktuell meine beiden Lieblingsthemen.

In dem Talk von Mads Pankow (Klassemkampf der Roboter, oben) geht es zwar eigentlich nicht um Sharing Economy, aber darauf brachte er mich mit seinem Satz ab Minute 21:

„[..] Der Algorithmus managed die Menschen. [...] es gibt natürlich aber auch Menschen über dem Algorithmus [...]“

Er nimmt hier das Beispiel des Protestes der Taxifahrer gegen Uber in Frankreich. Aber ist dieser Satz nicht universell? Und ist das nicht eigentlich die Eigenschaft, die Uber, Airbnb und Co ausmacht, also die aktuelle „Sharing Economy“? Gräbt man sich tiefer in das Thema, kommt man nicht nur zu einer Vielzahl von Definitionen, sondern auch positive und negative Aspekte.

Unter anderem auch Trebor Scholz, der auf der ebenfalls auf der re:publica TEN einen kritischen Vortrag gegen die (aktuell) großen der „Sharing Economy“ hält. Er hinterfragt und wirft ihnen vor, dass sie sich zwar das Soziale auf die Brust geschrieben haben, aber die Gewinne doch nur für sich einstreichen. Auch die Zeit und FAZ haben jeweils einen guten Artikel zum Thema Sharing Economy, deren Definition sowie Vor- und Nachteile.

Doch ich will hier eher mal einen Blick in die ferne Zukunft werfen und zeigen, was möglich wäre:
Auf Grund aktueller gesellschaftlicher Ereignisse, möchte ich als erstes Mal Ceterus-Paribus voraus. Demnach können wir davon ausgehen, dass

  • die Globalisierung voranschreitet
  • der Klimawandel beseitigt werden muss
  • der Lebensstandard steigt und sich angleicht
  • das Technologie-Niveau ebenfalls steigt (unter anderem KI und Robotik)
  • die Durchdringung des Internets (IoT) zunimmt
  • und die Komplexität der Systeme unübersichtlich wird.
  • Dazu kommt, was sich in folgenden Videos zeigt:
    Die Weltbevölkerung nimmt zu, doch wird sich dann stagnieren:
  • Allerdings wird ein Großteil der Bevölkerung in Städten leben und damit wird es eine logistische Meisterleistung diese zu versorgen:

Wirft man all das zusammen, ist klar, dass das aktuelle Wirtschaftssystem in der Art nicht mehr passend sein wird und zwar aus einem einfachen Grund: Es setzt stetiges Wachstum voraus und das ist ohne ein Bevölkerungswachstum schwer realisierbar. Dies setzt also eine andere Art von Wirtschaft voraus. Unter anderem wie in Mads Pankow Vortrag erwähnt, ließe sich Einkommen vom Produkt (durch Roboter und KI) entkoppeln.

Doch was hat das alles mit der „Sharing Economy“ zu tun? Nun, SE ist ein Entwicklungsschritt. In meinen Augen wird die richtige Sharing Economy (SE) die Durchdringung von Technologie und Vernetzung, die Entwicklung von Algorithmen - damit auch die der Künstlichen Intelligenz und final auch die der Robotik voran treiben. Oder eventuell werden sich Robotik und Künstliche Intelligenz nebenher entwickeln.
Am Ende wird es jedoch wohl die Kombination aus Sharing Economy, KI und Robotik benötigen, um das volle Potential zu entfalten. Und damit auch zur Lösung der zu der Zeit relevanten Probleme beitragen.

Das, was aktuelle Unternehmen als Sharing Economy bezeichnen, ist das Äquivalent zu den Internet-Startups Anfang der 2000er: Es ist Forschungsarbeit auf sehr unbekanntem Terrain. Wir wissen, dass es da eine neue Technik gibt. Wir vermuten, was alles damit möglich sein wird. Wir wissen aber diese aber noch nicht richtig einzusetzen, beziehungsweise haben noch nicht die passenden Techniken. Doch bis dahin ist die „Sharing Economy“ ein Wirtschaftszweig, der vor allem die Durchdringung des Internets vorantreibt und bisher unentdeckte Ressourcen der Wirtschaft verfügbar macht. Irgendwann werden dann Daten, Algorithmen und KI einhergehen und vielleicht ermöglicht diese Wirtschaft auch die Etablierung einer zweiten Währung, wie es in Darknet/Daemon dargestellt wird. Aktuell sollte das Potential nicht unter und überschätzt werden, gerade die negativen Kritikpunkte müssen kritisch beobachtet und verbessert werden andernfalls könnte der Algorithmus uns doch trennen und wir uns in eine der vielen Dystopie wiederfinden, so wie es viele Romane beschreiben …

A Student from Karlsruhe, living in Osnabrück right now. 24 Years old and eager to take pictures and learn with each.