GAS - und was man wirklich brauchen könnte

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GAS ist die Abkürzung für Gear Acquisition Syndrome und befällt eigentlich so jeden begeisterten Hobbyfotografen spätestens nach dem er gelernt hat, dass es noch andere Kameras und Objektive gibt. Da es zu GAS schon genügend gute Artikel im Netz gibt, konzentriere ich mich hier auf meine eigenen kleinen Erfahrungen. Ich war in letzter Zeit sehr wenig fotografieren, aber durfte mich dafür den Fragen von einigen Neueinsteigern stellen. Also warum nicht das ganze Mal zusammenfassen:

  • Das allerwichtigste zuerst: Verfallt nicht dem GAS!
    Irgendwann denkt sich jeder, dass dieses schöne, neue und total teure Objektiv doch so viel besser sei, als das mickrige, schlechte welches man selber hat. (schließlich kann es bis Blende f0,9 gehen! - Oder der neue Kamerabody hat um eine Blendenstufe besseres Rauschverhalten!1!!).
  • Tatsächlich bringen diese kleinen Verbesserungen nur denen was, die dieses Mehr an Potential ausreizen. Aber diese Personengruppe ist dem GAS nicht mehr verfallen, da sie wissen, was sie brauchen und wollen.
  • Vor allem aber Neueinsteiger wissen nicht, was sie brauchen. Hier ist das KIT-Objektiv die beste Anlaufstelle: Wenn du weißt welche Art von Fotografie du machst, weißt du auch was du dafür brauchst (Brennweitenbereich und Blendenstärke). Also lieber das Geld sparen und nur kaufen, wenn man an die Grenzen seiner Geräte kommt. (Seit Herbst letzten Jahres würde ich sooooo gerne meine 5 Jahre alte E-M5 durch die neue OM-D E-M1 MK2 für 2000€ ersetzen. Aber ich bin kein Profi und fotografierte dieses Jahr viel zu wenig - vor allem im Dunklen, oder Kalten, wo das Mehr an Potential nützlich ist.)
  • Das Geld kann man nämlich auch für etwas Besseres ausgeben, an das weniger gedacht wird wie zum Beispiel ein 100% sRGB abdeckender Bildschirm …
  • Auf der Kaufliste sollte immer Erfahrung > Objektive > Zubehör > Kamerabody > Tutorials > Schnickschnack stehen. (Abweichungen möglich)
  • Als Einsteiger sollte man sich zuerst mit den technischen (Blende, Belichtungszeit, Tiefenschärfe, ISO, Histogramm, Randunschärfe, Chromatische Aberrationen) und künstlerischen Aspekten (3/4-Regel, Leserichtung, Gleichgewichte, High-/Low-Key, …) beschäftigen.

Meine Empfehlungsliste:

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  • Kamera-Body: Ein einfacher Kamerabody tut es für den Anfang auf jeden Fall. Die Frage lautet immer erst welches System man will und damit dann welche Sensorgröße und weitere Features. Ich bevorzuge das Micro-Four-Third System und daher entweder die E-M10 MK 2* oder die G70*
  • Objektive: Das KIT! Für den Anfang immer das KIT. Später weiß man dann, in welchem Brennweitenbereich einem was fehlt und ergänzt das. Aber Vorsicht, des Öfteren kann die größere Blende einer Festbrennweite von Vorteil sein.
  • Bildschirm: Bilder machen ist die eine Seite, die andere sie anzusehen. Da wäre es ärgerlich, wenn die Bilder auf jedem Bildschirm drastisch anders aussehen würden. Also sollte ein 100% sRGB abdeckender Bildschirm (habe selber den Dell U2515H*) das Mindeste sein und Kalibrieren* gehört auch dazu. (Die Displays von Macs und vielen höheren Laptops decken meist den sRGB Farbraum ab.)
  • Stativ: Immer gut, aber es gibt hier alles von Holz- bis Edelklasse. Mein Stativ steht mir nach guten fünf Jahren immer noch treu zur Seite. Beispiel*
  • Software: Meine Wahl ist Lightroom*, aber es gibt inzwischen auch kompetente Alternativen. (MacOS Fotos App, RAWtherapee, Lightzone, Darktable, Shotwell, CaptureOne, Affinity Photo, NIK Software Collection)
  • Filter: Ganz wichtig ist ein Polarisations-Filter* (Meine Erfahrung). Dann merkt man vielleicht später, dass ND-Filter* auch etwas für einen wären. Es gäbe zwar auch Filtersets*, aber zumindest ich lehne die bis jetzt ab, da man für den Mehraufwand diese auch exzessiv nutzen sollte.
    Infrarot: Nettes Gimmick, aber selten im Einsatz. Beispiel* (Meine IR-Bilder)
  • Kamera-Gurt: Gutes Thema, selten beachtet. Meiner ist der Blackrapid-Strap* (alternativ Sunsniper*) und im Nachhinein würde ich als Stativ-Vielnutzer zum Peak Design Slide* greifen.
  • Fernauslöser: Bis man das wirklich braucht, reicht auch die Auslöseverzögerung und ich komme bisher ohne klar.
  • Speicherkarten: Dies schnellste? Eigentlich ja, aber Zuverlässigkeit wäre auch toll: Samsung* oder SanDisk*; Aber für Filmer sieht das schon wieder ganz anders aus
  • Backup: Viel vernachlässigtes Thema, aber im Falle immer wichtig. Hier sei nur die Lösung für unterwegs erwähnt: entweder per WLAN immer wieder Bilder auf das Smartphone schaufeln, SD Karten wechseln, oder eine echte Lösung: WD My Passport Wireless Pro*
  • Blitz: Hätte man gerne, verwendet man aber zu selten. Da macht es auch ein Yongnuo* mit Remote*, den man komplett Manuell steuern muss
  • Reflektoren: Könnten Nett sein, sind aber eher was für Makro oder Portraits und kosten nicht die Welt. Beispiel*
  • Reinigung: Wichtig und Vorsicht! Vor allem am Strand sehr elementar, ich schütze da mit einer Plastiktüte und speziellen Sets*.
  • Wärmekissen: Must have für die Hälfte des Jahres!
  • Regenschutz:  Selten nötig, aber wenn habe ich immer eine Plastiktüte im Rucksack
  • Kameragriff: Ist eher was für Portraitfotografen
  • Akkus: Wichtig! Die Original Akkus sind überteuert, eine günstigere Alternative mit guten Bewertungen bei Amazon* reicht. Je nach Länge einer Tour sollten es zwei oder mehr Akkus sein
  • Fototaschen, Fotorücksäcke: Das ist wie bei den Damen, ein Fotograf kann nie genug haben und es ist Geschmackssache. Mein Tipp: Immer passend kaufen. Zwar braucht man eine Tasche für alles, aber meist will man diese nicht mitnehmen. Beispiel 1*, Beispiel 2*
  • Workshops: Preisfrage… Statt einen Anfängerkurs empfehle ich Zeitschriften lesen und selber ausprobieren. Außerdem sind Fotografen meist gesprächig, wenn es um Technik und Techniken geht, also einfach mal fragen.
  • Zeitschriften: Bieten meist einen guten Einstieg und Inspiration, aber die Themen wiederholen sich.

Fazit: Erst gründlich überlegen, die Reihenfolge der Kaufliste beachten und sich ordentlich informieren. Denn schließlich gilt, dass das eigene Geld endlich ist und die tollste Kamera einem nichts bringt, wenn man sie nicht einsetzen kann. *Irgendwas mit Die-Kamera-die-man-bei-sich-hat-Standardsatz*

 

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Bilder via Unsplash (Titelbild, Bild 2)
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