Ein Fotobuch-Test

Ein Fotobuch-Test

Ich hätte gerne viel mehr Bilder an meiner Wand hängen, als die Wand groß ist. Mein Problem dabei ist, dass ich nach kurzer Zeit das Bild nur noch selten wahrnehme. Ein Fotobuch wäre die Alternative, doch mochte ich es eher Bilder an der Wand zu sehen, als viele in einem Fotobuch im Schrank zu haben. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Zum einen sind seit dem Umzug viele Bilder statt an einer Wand, im Karton verschwunden. Zum anderen mag ich mein neues Fotobuch mehr als gedacht. Das könnte daran liegen, dass es mein erstes Buch nicht zu einem Ereignis, sondern zu einem Thema ist – quasi eine Art „Portfolio“, aber der Reihe nach.

Saal-Digital hat eine Aktion am Laufen, mit der man sich auf einen Gutschein bewerben kann und dann deren Fotobuch testen und bewerten soll. Ich versuchte also mein Glück, ohne wirklich zu wissen, was für ein Fotobuch ich machen wollte. Natürlich brachte mich das dann noch vor viel größeren Problemen: Einmal ein passendes Thema finden, dann viele Bilder auf wenige reduzieren und zu guter Letzt noch zu entscheiden, wie die Reihenfolge aussehen soll.

Nach dem ich mich für ein Thema entschieden hatte, musste ich meine Bilder auf die Essenz der erlesensten Auswahl reduzieren und dann ging es los: Zuerst muss man für sein Fotobuch bei Saal-Digital eine Software runterladen. Da dies mein insgesamt fünftes Fotobuch ist, habe ich schon zuvor die Software anderer Anbieter ausprobieren „dürfen“. Soweit ich weiß, ist Fotobox.de der einzige Anbieter, bei dem man das Ganze via Adobe Flash auch im Browser machen kann. Das ändert aber nicht viel an der Nutzererfahrung. Ich gehe davon aus, dass fast alle Anbieter von Fotobüchern eine Software lizenziert und jeweils ihr Logo daraufsetzen. Anders kann ich mir nicht erklären, wie die wirklich alle so eine miese user experience haben können - aber durch die Bank durch. Natürlich benutzen die Profis ganz andere Programme mit wesentlich mehr Fähigkeiten und auch mit wesentlich höherem Lernaufwand. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden und mache es so: Ein Bild pro Seite – einfach reinziehen. Perfekt für die Muttis und Omis, aber wenn man etwas Anspruch hat, müsste man zumindest den Umgang mit Adobe Illustrator lernen. Kurz gesagt: Saal-Digital kann hier wenig für, aber eine befriedigende Nutzererfahrung sieht anders aus. Allerdings erwartet man vergebens auf eine bessere Erfahrung bei anderen Anbietern. Übrigens hatte ich die Bilder vor dem Layouten von 200 Megabyte auf 100 komprimiert und die Software hat das Projekt mit „nur“ 67MB hochgeladen. Ist das ein Qualitätsverlust? Wage ich zu bezweifeln, sehen tut man es nicht.

Nun war der Bestellprozess abgeschlossen und nach wenigen Tagen Wartezeit - weniger als angegeben wurde - kam das Buch an. Die Verpackung ist solide, sodass nur bei zu rauem Umgang Schäden zu erwarten sein sollten - eine Horrorvorstellung für jeden. Im ganzen also eine positive Sache, wer wartet auch gerne auf Bestellungen.

Mein Fotobuch zum Thema „People“ habe ich durch einen schwarzen Einband elegant erscheinen lassen wollen und deswegen sogar extra mit einem matten Finish versehen lassen. Allerdings hat die Software davor gewarnt, den Einband dunkel zu gestalten, aber ich wollte nicht hören: Man sieht leider sofort Abdrücke, die zum Glück wieder verschwinden. Dafür sieht man nach kurzer Zeit erste Abnutzungen, was wirklich schade ist. Aber ich habe nicht hören wollen und ein edel aussehendes Fotobuch. Schlägt man das Buch dann auf, wird der Wertigkeit erwartende „Leser“ enttäuscht: Weder gibt es die Auswahl, noch sieht man in der Software, dass es kein Titelblatt gibt. Was ich ziemlich schade finde, würde ich vielleicht doch gerne zuerst ein paar Sätze oder Daten stehen haben.

Die Qualität der Bilder selbst überzeugt in allen Bereichen. Schwarz ist wirklich schwarz, die Bilder zeigen sich kontrastreich, gesättigt und detailreich. Die Farbwiedergabe stimmt ebenfalls - genau so, wie ich es am (kalibrierten!) Bildschirm sehe. Da Saal-Digital für seine Fotobücher nur Fotopapier anbietet, haben die Bilder trotz der matten Wahl etwas Körnung und glänzen im Sonnenlicht. Auch ist die Haptik eine andere, als bei normalem (schwerem) Papier. Dafür fühlt sich das Fotobuch beim Umblättern kräftig und fest an. Vermutlich ermöglicht auch nur dies die von Saal-Digital getaufte Layflat Technik. Damit liegen die Seiten wirklich (fast) flach nebeneinander und es geht kein Raum für die Bindung verloren - es bietet sich direkt an Panoramen über beide Buchhälften einzufügen.

Alles in allem bin ich zufrieden. Bei meinen Drucken hat Saal-Digital mir schon zuvor gezeigt, dass man sehr gute Qualität und einen vernünftigen Preis erwarten kann. Der Frust über die Software – wirklich nur ein kleiner Kritikpunkt – hat sich auch spätestens beim in den Händen halten des Paketes verflüchtigt. Dann überzeugt die Qualität und das verlangen die nächsten Bilder irgendwie zu visualisieren.

A Student from Karlsruhe, living in Osnabrück right now. 24 Years old and eager to take pictures and learn with each.