Fotooase
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Ein Sommer in Dänemark

Dänemark ist inzwischen eine Weile her und es stehen noch viele Bilder aus, die ich tatsächlich seit der Aufnahme zeigen möchte. Andererseits will so eine Geschichte ordentlich erzählt werden und das braucht Zeit und Sorgfalt. Denn obwohl ich den Schwerpunkt auf meine Bilder lege, halte ich nicht viel davon diese einfach so hinzupfeffern. Doch nun zur Geschichte:

Hinweis: Diese Geschichte sieht am Computer oder Tablet grafisch ansprechender aus!

Ziel war ein Ferienhaus direkt am Golf von Ebeltoft, welcher zur Ostsee hin, etwas oberhalb von Aarhus liegt. Dazu fuhren wir über die Ostseite von Dänemark und für jemanden, der überwiegend die von der Nordsee geprägte Seite kennt, zeigte das Land ein ganz neues Gesicht. So kamen wir auf der Fahrt an schönen "englischen" Hügeln vorbei und ich hätte permanent halten und Bilder machen können, zumal die Sonne unterging. Damit waren die Erwartungen an fotografierbaren Szenen schon sehr hoch gesteckt, doch sollte ich noch positiv überrascht werden ...

Angekommen warteten ein paar Tage Ruhe, Entspannen und Natur pur vor der (Ferien)haustüre. Dänemark hat unglaublich viele Häuser (und auch Boote und Yachthäfen), die in kleinen Häufchen über das ganze Land verteilt liegen. Diese Gruppe von Ferienhäusern war in der Bucht gegenüber von Ebeltoft angesiedelt. Dadurch war man entweder von Wäldern - die Naturschutzgebiete zu sein schienen; der Bucht oder von Feldern umgeben. Das Ferienhaus selbst war klasse (mit Internet! #halloNeuland), aber im Urlaub üblich, weiß man nach kurzer Zeit nicht mehr viel mit sich anzufangen. Erfreulicherweise war das Wetter so gut, dass wir uns die meiste Zeit draußen aufhielten und die Sonne genossen.

Regen

Natürlich musste es, trotz des überwiegend tollen Wetters, ja irgendwann mal regnen - beziehungsweise nicht mehr „nur" sonnig sein. Das Schöne an der Küste ist dann, dass es trotzdem genügend zu fotografieren gibt. So fand sich für mich die Gelegenheit endlich meinen ND-Filter auf "ordentliche" Art und Weise auszuprobieren. Oder anders ausgedrückt: Zeit die klassischen Langzeitbelichtungen mit Strand und Wellen zu machen. Das mag thematisch langweilig sein, doch war es eine gute Art etwas über die Technik der Langzeitbelichtung zu lernen. Einige Bilder lassen sich nicht als solche entlarven, andererseits passen sie wunderbar zu der Stimmung der anderen.

Umland

Eine Landschaft erstreckt sich ja weit über Strand und Bucht hinaus und so hatte auch das Land abseits vom Meer grafisch einiges zu bieten. Doch viel interessanter und im Nachhinein vielleicht einfach typisch dänisch ist dieses nicht stören von menschlichen Gebilden in der Landschaft. Egal ob Häuser oder Wege, es machte den Eindruck, als würde das Landschaftsbild exakt so stimmig sein. Möglicherweise kam dieses Gefühl auch weniger vom Eingriff der Menschen, sondern mit welcher Art und Weise diese gemacht zu sein schien. Ich bekam das Gefühl, dass die Landschaft einen regelrecht einladen würde und das war gleichfalls angenehm zu machen. Man fuhr einfach die Straße lang und fand eine Szene nach der anderen vor, die unbedingt fotografiert werden wollte.

Menschen

Von der Straße zweigten immer weitere Wege ab und führten zu immer weiteren Orten menschlichen Lebens. Manchmal vermutete man das nur, manchmal sah man nur Teile von Häusern und öfters kam man an einem Ortsschild vorbei. Allerdings schien es sicher eher um Schilder zu handeln, die lediglich menschliche Existenz ankündigen sollten. Man fühlte sich also nicht gebremst wachem Auge alles um sich herum aufzunehmen und zu erfassen. Das war für mich als Süddeutschen ungewohnt, da es gerade in Baden und der Pfalz unmöglich ist einen Kilometer weit zu gehen, ohne auf Menschen und ihr Leben zu stoßen. Zudem käme ich mir vor, als würde ich diese Menschen stören, ganz im Gegenteil zu Dänemark und Ebeltoft. Das kann daran liegen, dass es eine Ferienregion ist, oder auch, dass man Menschen generell seltener begegnete. Es führte jedenfalls dazu, dass die Region ein Gefühl von Ruhe und Entspannung ausstrahlte.

Sterne

Was einem nachts Bewusst werden konnte: Fernab von vielen Menschen und deren Infrastruktur sind die Sterne besser zu sehen. Somit versuchte ich mich das erste Mal so richtig daran, die Milchstraße zu fotografieren. Nach vielen Versuchen des Aufstellens, mühsamen Ausrichtens und Fokussierens, Anpassen der Einstellungen und wieder langem Warten (ich experimentierte mit Belichtungszeiten von um die 20 Minuten); war das Ergebnis leider ernüchternder als gedacht: Irgendwie wollte kein vernünftiges Bild entstehen. Im Nachhinein weiß ich mehr über die einzelnen Faktoren und deren Zusammenspielen und auch was ich hätte besser machen können. Nun, das Ergebnis ist zumindest im Kleinen vorzeigbar:

Makro

Einen anderen Bereich der Fotografie entdeckte ich für mich wieder die Makrofotografie. Das lag zum einen an den neuen Objekten, die man so nur am Strand vor die Linse bekommt; zum anderen aber verleitete einen quasi das Licht. Der Spätsommer schaffte so unglaubliches Licht, dass alles toll aussah und die Aufgabe darin bestand, gute von schlechten Motiven zu trennen. Übrigens handelt es sich nicht um echte Makrofotografie, da die Pflanzen nur maximal 1:1 abgebildet werden.

Meer

Das Gegenstück zu den Makrobildern sind die weiten Bilder mit dem Meer. Tagsüber zeigte sich das Wetter meist unglaublich freundlich und mit Ausnahme der paar Regentage wurde man dazu verleitet, jeden Tag am Strand spazieren zu gehen - gerne auch mehrmals. Hier zeigt sich etwas, dass ich als einer aus dem Landesinneren kommender so sehr schätze: Es ist egal wann, egal wo und egal wie man an den Strand geht, die Szene ist immer anders. Zur passenden Zeit - vorzugsweise abends oder morgens - braucht man nur die Augen für ein paar Sekunden zu schließen und hat eine neue Szene vor sich. Das muss diese Faszination sein, die das Meer auf den Menschen ausübt.

Allerdings kommt man als Fotograf schnell zu dem Punkt, an dem man anfängt zu experimentieren. Auch ich wollte den Stabilisator an seine Grenzen treiben (check) oder mit dem ND-Filter neue Effekte erlernen. Doch treibt das einen in eine Falle, die meist erst am Ende des Urlaubs bemerkt wird: Etliche Bilder von und mit Strand, die gleich oder ähnlich sind. Alle diese Bilder mögen eine Daseinsberechtigung haben, aber es sind auch nur Bilder. Das Schwierigste als Fotograf ist die emotionale Bindung zu lösen und stattdessen als Außenstehender zu agieren. Viele Bilder können bei einem Fremden eben nicht die Emotionen wecken, wie für denjenigen, der dabei war.

Landschaft

Wie oben dezent angedeutet, war das Licht wirklich fantastisch und die Landschaft immer und immer wieder interessant. Also erkundigte ich per Rad des Öfteren die Gegend und ließ mich vom schönen Wetter des Spätsommers führen. Der ganze Sommer schien in Dänemark ein Guter gewesen zu sein, denn viele Felder waren erntereif und die Bäume und Gräser gesättigt von der Sonne. Das Licht in Verbindung mit den Hügeln, den Wiesen und Feldern war ständig faszinierend. Die Schwierigkeit bestand darin, den richtigen Ausschnitt zu finden und dann zur passenden Zeit da zu sein. Im Nachhinein muss ich sagen, dass viele der Landschaftsbilder nicht so geworden sind, wie es möglich gewesen wäre. Oder: Ich muss noch mal hin - und besser werden.

Ebeltoft, Grenaa und Aarhus

Kommen wir zu Städtischem: Da gibt es einmal Ebeltoft, eine Kleinstadt mit etwa 7.500 Einwohnern und einer langen Geschichte. Laut Wikipedia wurde sie schon im 14. Jahrhundert erwähnt, und auch wenn der Stadtkern aus netten, alten Gebäuden besteht, gab es nicht viel zu sehen. Dank der Fähre Richtung Kopenhagen ist die Stadt allerdings wohl auch für Dänen interessant. Für uns war Ebeltoft vor allem ein gutes Ziel für die Fahrradtouren - und dann Fisch zu kaufen, oder generell einkaufen zu gehen.

Eines anderen, schönen Tages machten wir einen Ausflug nach Grenaa, was die nächste größere Stadt auf der Karte ist. Grenaa liegt nördlich, hat knapp 15 tausend Einwohner und ebenfalls eine bis ins 15. Jahrhundert zurückreichende Geschichte. Der Stadtkern war somit etwas größer und interessanter, allerdings stellte sich bald heraus, dass Grenaa entweder nicht so spannend ist, oder wir zu spät da waren. Aber, Grenaa hat auch ein "Hai Zentrum", das Kattegatcentret. In diesem gelangen mir ein paar wirklich tolle Bilder von Fischen, was mir sonst nicht vergönnt wäre.

Aarhus ist eine sehr schöne Stadt und mit 270 tausend Einwohnern die zweitgrößte Dänemarks, doch leider habe ich so gut wie keine Bilder in Aarhus gemacht. Daher verweise ich einfach mal frech auf Tobias Hage, der dort ein Auslandssemester gemacht hat.

Ein wundervoller Morgen

Es gibt Momente im Leben, die erscheinen einen auf den ersten Blick völlig surreal. Ein Augenblick, der wunderschön, aber so erstaunlich seltsam und rar ist, dass man ihn nur für surreal halten kann. Solch einen Moment hatte ich eines schönen Morgens in Dänemark. Mich weckte recht früh das Rauschen des Meeres, da es anders als sonst war. Normalerweise war der Klang der Wellen recht langsam, man konnte die einzelnen Wellen anrauschen hören, doch gleichzeitig war es ein stetiges Rauschen, sodass sich nach wenigen Tagen das Gehör dran gewöhnt hatte.

An diesem einen Morgen jedoch war jede Welle einzeln zu hören und dazwischen eine lange Pause. Verwundert über das so anders klingende Rauschen, schaute ich raus: Der Himmel hatte ein klares, helles Blau, dazu erleuchtete die Sonne die Szene mit einem ebenfalls klaren, weißen Morgenlicht und das Meer zeigte nur kleine, seichte und friedliche Wellen. Ferner hatte das Meer die Farbe des Himmels angenommen, sodass nur durch die Struktur der Wellen Himmel und Erde getrennt wurden. Die ganze Szene strotze nur vor Frieden und Ruhe und ausnahmsweise blieb es den ganzen Vormittag über so. Die Sonne wurde zwar stärker und heller und auch die Farbe des Meeres kräftigte sich, allerdings dieses Mal in ein sattes, klares Türkis.
Ich muss gestehen, dass ich in diesem Urlaub über den kurzen Schlaf nicht enttäuscht war, schließlich gab es fast jeden Morgen einen schönen Sonnenaufgang, doch dieser eine Tag stellte alles in den Schatten.

Ein Abenteuer

Auch wenn viel dänisches Land für die Landwirtschaft genutzt wird, gibt es gleichzeitig viele wilde, beziehungsweise naturbelassene Flächen. Ebensolch ein Naturpark war auch um die Feriensiedlung herum. Über eine Treppe (siehe Bild weiter oben) konnte man in ein kleines, verstecktes und wildes Wäldchen hineingelangen. Das Erstaunliche war: Oben erwartete einen eine ganz andere Welt. Das Meer mit seinen Geräuschen verschwand in den Hintergrund und stattdessen umgaben einen wilde Gräser, Beerensträucher und alles was noch dazu gehörte. Auch Spinnen, Bienen, Schnecken und weiteres Getier genoss diesen Ort. Nirgendswo zeigte der Sommer einprägsamer, dass er mit einem gewissen Stolz zu Ende ging, es war einfach herrlich.

Mit diesen Worten möchte ich die Geschichte über den Sommer in Dänemark abschließen. Viele Worte für noch vielmehr Bilder, die ich dort machte. Viele waren nicht gut genug und aus Platzgründen haben es einige nicht mehr in diese Geschichte geschafft. Was das Machen von Bildern angeht, entwickelt man sich stets weiter und so würde auch ich viele Bilder anders machen und insbesondere auch anders bearbeiten – das leidige Thema Farbkalibrierung kommt hier zum Tragen.

Auf den Sommer folgt bekanntlich der Herbst und passenderweise habe ich diesen auch in eine Geschichte gefasst.